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"Wie das Reisen meinen Charakter verdorben hat"

Irgendwie muss man das ja mal ansprechen... Denn wenn man so darüber nachdenkt, waren es die Reisen, die mich und mein Leben total ruiniert haben. 

Und weil ich so verdorben bin und bald auch noch in Mexico leben werde, habe ich beschlossen, diese Zeilen zu schreiben. Damit man weiß, wie gefährlich das Reisen und seine Nebenwirkungen sind... (VORSICHT auch vor SARKASMUS)

 

Ich bin nicht mehr normal!

Es ist so traurig, ich weiß. Aber seitdem ich mit dem Reisen angefangen habe, hab` ich einen an der Klatsche!

Ich habe auf einem Schiff, in Barcelona und Hamburg gelebt, bin in verschiedensten Ländern tief in die Kulturen eingetaucht und kann mir ein "normales" Leben einfach nicht mehr vorstellen. Ich habe es versucht. WIRKLICH! Vier lange Jahre dachte ich, dass ich meinen Urlaub nutzen könnte, um mein Fernweh, meine Neugierde, mein Verlangen nach Abenteuern und Gleichgesinnten zu stillen... Tja, lange Rede kurzer Sinn - es funktioniert nicht.

Allein der Gedanke an ein Haus voller Klamotten, Zeugs und Kitsch macht mich fertig... 

Ich liebe es in meinem Job mit Kindern zu arbeiten, es macht wahnsinnig viel Spaß - aber an Hochzeit, Haus und Kinder kriegen (am Besten in der Reihenfolge) habe ich keinerlei Interesse.

Ich bin also ein völlig hoffnungsloser Fall und ein ganz schlechter Einfluss ... 

 

 

Hier hat man zuviel Zeit um sich noch mehr Blödsinn auszudenken...
Hier hat man zuviel Zeit um sich noch mehr Blödsinn auszudenken...

Das Reisen macht mich naiv!

Oh. Mein. Gott. Oder lieber Allah? Wie auch immer ... Ich wusste, es würde nicht einfach werden...

Das Reisen hat dafür gesorgt, dass ich einfach keine Angst mehr habe vor fremden Kulturen, nicht vorsichtig genug bin, wenn ich durch arabische und muslimische Länder reise.

Ich meine, die Medien zeigen es doch jeden Tag - aber warum sind die Menschen denen ich begegnet bin so freundlich? So lieb und hilfsbereit? Warum lachen sie so herzlich und haben Träume so wie ich?

Warum werde ich zum Tee eingeladen, warum schenkt man mir ein Nazar-Amulett und warum zum Teufel rauchen wir zusammen Wasserpfeife?!

So viele Fragen und nur eine Antwort: Ich bin durch das Reisen einfach zu naiv geworden! 

Fürchte dich vor Sturm und Wind - und vor Terroristen die keine sind?
Fürchte dich vor Sturm und Wind - und vor Terroristen die keine sind?

Reisen macht egoistisch!

Puh, das eskaliert schnell - aber mal ganz ehrlich. Who cares??? Lasst euch Eines gesagt sein: Reisen macht super egoistisch. Man ist nicht mehr da, um alles für andere zu tun, man kümmert sich nicht mehr um das Gemeindewohl, man sorgt nicht für die Rente anderer vor, indem man mehrere Kinder in Deutschland hat und man denkt nur an sich selbst während man da in der Sonne brät, mit dem Mojito in der Hand!! Was muss man sich nicht alles anhören... 

Verdammt nochmal, was habe ich mir bloß dabei gedacht? 

 

Auf meinen Reisen sehe ich nun, wofür wir ständig Altkleidersammlungen durchführen; man wird konfrontiert damit, das es anderen nicht so gut geht wie vielen von uns oder das Touristen, eingeölt in Sonnencreme mit Mikroplastik im Golf von Mexico die Korallen töten. Das Plastiktüten aus der ganzen Welt an den Stränden von Bali landen und wunderschöne Regenwälder für unsere Luxusprodukte (die Palmöl enthalten) abgeholzt werden...

Klar, gilt man dann für andere als egoistisch - man selber aber ist empfänglicher dafür, dass wir unseren blauen Planeten schützen müssen, man will sich für etwas Größeres einsetzen und was für die Ewigkeit tun.

Irgendjemand muss doch dafür sorgen, dass die Kinder auch in Zukunft saubere Luft atmen und noch wissen, was ein Regenwald oder wie bunt ein Korallenriff ist, oder?

 

Eine Welt in der wir gut und gerne leben - auch in Zukunft noch?
Eine Welt in der wir gut und gerne leben - auch in Zukunft noch?
Schnorcheln -  lieber mit UV Shirt über halbwegs intakten Korallenriffen
Schnorcheln - lieber mit UV Shirt über halbwegs intakten Korallenriffen

Reisen macht absolut "unkommunikativ"

Mh... jetzt der schwierige Teil. Oder wie sage ich am Besten, dass Reisen mich super unkommunikativ macht? Das will man ja eigentlich am Wenigsten.

Doch ich muss zugeben, dass ich "normale" Unterhaltungen über "alltägliche Dramen und die Yogastunde des Hamsters" nicht mehr richtig führen kann. 

Ich merke, dass ich wohl körperlich anwesend bin, aber geistig schon wieder irgendwo im Nirgendwo im Mitternachtszug auf Überlandfahrt...

Die wichtigen Dinge im Leben...
Die wichtigen Dinge im Leben...

Reisen treibt mich in die Isolation

Es ist ein Teufelskreis - ich bin auf Reisen, war lange weg. Komme wieder und nichts ist so wie es vorher war! Ich habe den neuesten Klatsch und Tratsch verpasst, der Goldfisch war beim Arzt, ist Hamburg schon abgestiegen?

Oh man, das ist wirklich anstrengend! Worüber soll man jetzt noch reden?

Dieser eine Spruch "Watch more sunsets than Netflix" - wer auch immer den gesagt hat, der tickt doch auch nicht ganz richtig? Irgendwann werden Sonnenuntergänge auch total langweilig, oder nicht? 

Klar, es ist wirklich unfassbar, dass ich nicht den ganzen Tag Fußballanalysen verfolge oder den anderen Schrott in der Glotze. Aber mal ehrlich: Wen interessiert´s? 

 

More sunsets than Netflix!
More sunsets than Netflix!

Reisen macht mich zum Herumtreiber

Durch das Reisen ist man an vielen Orten zuhause. Punkt.

Jeder denkt doch; was soll aus der bloß werden? Nicht bodenständig, kein Haus und bald wahrscheinlich mittellos und verarmt wie eine Kirchenmaus. 

Ja, wenn ich nicht bald die Privatinsolvenz anmelden will, dann sollte ich schleunigst aufhören zu reisen... 

 

Es ist also so, dass das Reisen mich in der Hinsicht so verdorben hat, dass ich wirklich nie wieder mehr besitzen möchte, als das, was in meinen treuen Alukoffer passt. So. Dann kann man sich nämlich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben konzentrieren. Reiner Wahnsinn ist das! 

Auf das Aluteil ist definitiv verlass - auch wenn der Gepäckhandler am Airport Kofferbowling spielt!
Auf das Aluteil ist definitiv verlass - auch wenn der Gepäckhandler am Airport Kofferbowling spielt!

Reisen ist ... problematisch

Huuuiiii... das wollte ich eigentlich weglassen, aber es ist zu riskant. Hätte man mich vorher gewarnt, das das Reisen einen beziehungsunfähig macht... ich hätte es trotzdem getan! Das Problem ist die grenzenlose Freiheit die man während des Reisens erfährt. Die werde ich auch nie, nie wieder hergeben. Festhalten bringt da gar nichts - 

Wie sagt Roman Payne so schön in dem Buch "The Wanderess":

"Sie gehört keinem Mann und keiner Stadt." Ohoho... 

Da kann ich aber froh sein, dass ich den besten und liebsten Travelbuddy auf der Welt schon gefunden habe! 

She belonged to no man and to no city!
She belonged to no man and to no city!

Es sind die kleinen Dinge

Tja... jetzt weißt du wie verdorben ich bin...

Durch das Reisen, die Eindrücke, die guten und schlechten Dinge von denen ich unterwegs gelernt habe.

All das und die Abenteuer und Herausforderungen machen mich zu dem, was ich heute bin.

Für viele bin ich sicherlich anders, vielleicht sogar verrückt, aber das bedeutet nicht, dass mein Weg der Falsche ist. 

Es ist okay, ein Leben zu leben, welches andere nicht verstehen können.

Und man darf seinen Platz auch verlassen, wenn man merkt, dass man dort nicht hingehört. 

Man muss sich nicht für sein Leben und seine Träume rechtfertigen und man ist nicht für das Glück anderer verantwortlich. Das lernt man auch auf den Pfaden dieser Erde... 

 

Ich liebe es, durch das Leben zu wirbeln und andere voller Begeisterung mitzureißen, während wiederum andere noch mit offenem Mund dastehen, wenn ich schon längst wieder weggewirbelt bin.

Das Leben mit anderen Augen zu sehen, die kleinen Dinge unserer schönen Erde zu entdecken...

Es gehört Mut dazu, aber wer sich davon herausfordern lässt, wird garantiert überrascht sein - wie spannend es sein kann, wenn man verkorkst ist !!! :)

 

Mit so einem Eis verdirbt man sich doch garantiert nicht nur den Charakter, oder?
Mit so einem Eis verdirbt man sich doch garantiert nicht nur den Charakter, oder?
Der hat die doch in die Wüste geschickt - oder hat er sie schon gegen Kamele eingetauscht?
Der hat die doch in die Wüste geschickt - oder hat er sie schon gegen Kamele eingetauscht?
Love her. But leave her wild. -Atticus
Love her. But leave her wild. -Atticus

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Kommentare: 3
  • #1

    Claudia Bilzer (Donnerstag, 26 April 2018 20:09)

    Jap, ich kann dir definitiv zustimmen. Du bist verrückt, du bist anders, du bist ganz bestimmt nicht bodenständig und süchtig nach allem was Abenteuer bedeutet. Ich bin da wohl das ziemliche Gegenteil und bin immer noch erstaunt, mich mit so einem anderen Menschen wir dir, so dermaßen gut verstanden zu haben. Sowohl beruflich, als auch nach Feierabend :) es ist immer noch wie ein kleines Abenteuer, wenn wir unsere kleine Ex-Kolleginnen Runde zu viert oder fünft abhalten. Was leider viel zu selten passiert. Demnächst, wird dort sowieso eine Person fehlen.... DU. Und obwohl ich dich selten sehe, werde ich dich vermissen. Halte dich weiterhin für verrückt und wünsche dir dennoch einen wunderschönen Start in Mexico:)

  • #2

    Sarah (Freitag, 27 April 2018 06:36)

    Toller Artikel

  • #3

    Sara (von Classyworld.de) (Freitag, 27 April 2018 12:08)

    Vielen lieben Dank, Sarah! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt :)